Titelbild

Kosovo

Frühförderung von Kindern mit Beeinträchtigung

Der Kosovo im Südosten Europas ist heute ein nahezu vergessenes Land fast direkt vor unserer Haustür und eine der ärmsten Regionen Europas. Besonders betroffen von Armut und mangelnden Chancen sind diejenigen Menschen, die gesellschaftlich und politisch benachteiligt sind. So ist gerade die Situation von Kindern mit körperlicher und/oder geistiger Beeinträchtigung im Kosovo mehr als prekär: Viele werden nicht in ein normales Leben mit Gleichaltrigen integriert, besuchen keine Schulen und haben somit keine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben. Zudem existieren kaum spezialisierte Einrichtungen oder Informationen, die den Eltern beim Verständnis der speziellen Bedürfnisse ihrer Kinder helfen könnten. Kinder, die mit einer Beeinträchtigung zur Welt kommen, haben im Kosovo kaum Chance auf eine durchgängige Förderung.

Das Frühförderprojekt der Caritas Kosova schafft hier Abhilfe: Seit 2008 werden Kinder mit Beeinträchtigung in der besonders wichtigen Entwicklungsphase bis ins Alter von sechs Jahren individuell in ihrer Entwicklung unterstützt und auf den Schulbesuch vorbereitet. Sie erhalten in Kleingruppen in der Frühförderstelle oder zu Hause vor allem logopädische und motorische Förderung durch ausgebildete Fachkräfte. Auch die Eltern erhalten von den MitarbeiterInnen hilfreiche Anregungen. Außerdem gibt es regelmäßig stattfindende Treffen und Workshops, in deren Rahmen sich die Eltern über ihre Erfahrungen austauschen können, und die somit einen wichtigen Beitrag zur Selbsthilfe leisten. Darüber hinaus ist eine gewählte Elternvertretung, die gegenüber öffentlichen Einrichtungen als Interessensverband auftritt, ein wichtiger Schritt in Richtung einer Enttabuisierung des Umgangs mit ‚Behinderung‘ in der kosovarischen Gesellschaft.

Projektpatinnen waren Nathalie Rajević und Heike Wadepohl, stellvertretend für die TeilnehmerInnen der cusanischen Auslandsakademie ‚Serbien – Kosovo‘ 2011.